Ablauf Ihrer Strahlentherapie
Damit Ihre Behandlung sicher, zielgenau und gut verträglich verläuft, begleiten wir Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Therapieprozess. Die folgenden Abschnitte geben Ihnen einen verständlichen Überblick darüber, was Sie erwartet.
1. Erstgespräch und Aufklärung
Zu Beginn führen wir ein ausführliches Gespräch mit Ihnen. Dabei werden Ihre Erkrankung, bisherige Befunde und mögliche Behandlungswege besprochen. Sie erfahren, wie die Strahlentherapie abläuft und welche Ziele wir damit verfolgen. Ihre Fragen und Anliegen sind dabei ausdrücklich willkommen.
2. Planungsaufnahme (Planungs-CT / 4D-CT)
Vor Beginn der Therapie wird eine spezielle Röntgenaufnahme (Planungs-CT) durchgeführt. Dabei werden Lage, Form und Ausdehnung des Tumors sowie des umliegenden gesunden Gewebes exakt bestimmt. Wenn sich der Tumor im Brust- oder Bauchraum bewegt (z. B. durch Atmung), nutzen wir ein 4D-CT – damit können wir diese Bewegung mit einplanen.´Es werden Lagerungshilfen definiert und bei Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich werden wir Ihnen eine individuelle Maske anfertigen.
Wichtig: Diese Aufnahmen dienen ausschließlich der Planung. Es erfolgt noch keine Bestrahlung oder eine Befundung Ihrer Aufnahmen.
3. Erstellung Ihres individuellen Behandlungsplans
Auf Basis der Aufnahmen ermittelt unser Team aus Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinphysik die optimale Bestrahlungstechnik. Dabei werden moderne Systeme wie KI-gestützte Konturierung (LimbusAI) eingesetzt, um die Strahlung möglichst präzise auf das Tumorgebiet zu konzentrieren und gesundes Gewebe bestmöglich zu schützen. Das benötigt Zeit und Qualität.
4. Die eigentliche Bestrahlung
Die Behandlung findet in der Regel an mehreren Tagen pro Woche statt. Eine Sitzung dauert meist nur wenige Minuten und ist schmerzfrei. Sie liegen dabei ruhig auf einer Liege. Das Bestrahlungsgerät bewegt sich automatisch um Sie herum – die Strahlen selbst sind nicht spürbar. Während der gesamten Zeit können die Fachkräfte Sie sehen und mittels Gegensprechanlage mit Ihnen sprechen. Sie sind nie allein!
5. Wirkung der Strahlentherapie
Die Strahlung wirkt gezielt auf die Krebszellen im Tumor. Sie schädigt deren Erbgut so, dass sie sich nicht weiter teilen können und nach und nach absterben und vom Körper recycelt werden. Gesundes Gewebe kann solche Effekte wesentlich besser reparieren – deshalb bleibt es weitgehend geschont und erholt sich nach der Strahlentherapie nahezu vollständig. Die Wirkung entfaltet sich über Tage bis Wochen, weshalb die Behandlung in mehreren Sitzungen erfolgt.
6. Begleitung während der Therapie
Regelmäßig sprechen wir während der Behandlung über Ihr Befinden und eventuelle Beschwerden. So können wir gemeinsam frühzeitig bei unerwünschten Nebenwirkungen gegensteuern und die Therapie für Sie so gut verträglich wie möglich gestalten.
Unser Ziel: Eine wirksame und schonende Behandlung – verbunden mit klarer Information, verlässlicher Begleitung und einem sicheren Gefühl während der gesamten Therapiezeit.
Schwerpunkte der Behandlung
Schwerpunkte der Behandlung
Wir bieten unterschiedliche Bestrahlungsverfahren an, die wir jeweils auf Ihre Erkrankung, Ihren Gesundheitszustand und Ihr persönliches Behandlungskonzept abstimmen. Im Folgenden finden Sie eine verständliche Übersicht der wichtigsten Therapieformen:
Normofraktionierte Bestrahlung
Hierbei wird die gesamte Strahlendosis in kleinen, gleichmäßigen Einzeldosen über mehrere Wochen gegeben, in der Regel mindestens 6 Wochen. Diese Methode eignet sich für viele Tumorerkrankungen. Sie kommt besonders häufig bei Radiochemotherapie zum Einsatz.
Hypofraktionierte Bestrahlung
Dabei wird in weniger Sitzungen mit etwas höheren Einzeldosen bestrahlt. Dies ist heutzutage bei vielen Tumorerkrankungen der Standard. Diese Form der Therapie verkürzt die Gesamtbehandlungszeit deutlich, meist auf 3 bis 4 Wochen. Sie wird vor allem eingesetzt, wenn wissenschaftliche Daten belegen, dass Tumoren auf diese Weise genauso wirksam oder sogar besser behandelt werden können (z. B. bei Brust- oder Prostatakrebs).
Radiochemotherapie
Hier wird Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert. Die Chemotherapie verstärkt die Wirkung der Bestrahlung direkt im Tumor. Dieses Vorgehen wird häufig bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, in der Speiseröhre, im Lungen- oder Beckenbereich eingesetzt. Als Klinik für Strahlentherapie bieten wir diese für alle Tumorentitäten an.
Radiochirurgie
Die Radiochirurgie ist eine hochpräzise Einmal- oder Kurzzeitbestrahlung mit sehr hoher Genauigkeit. Sie eignet sich besonders für:
- Hirnmetastasen
- Lungentumoren
- Lebertumoren
Hierbei wird das Tumorgewebe punktgenau getroffen, während umliegendes gesundes Gewebe bestmöglich geschützt bleibt.
Brachytherapie
Bei der Brachytherapie wird die Strahlung direkt im oder unmittelbar am Tumorgewebe abgegeben. Hierzu wird eine kleine Strahlenquelle kurzzeitig präzise positioniert und anschließend wieder entfernt. Diese interne Bestrahlung ermöglicht eine sehr hohe Dosis im Tumor bei gleichzeitiger sehr guter Schonung von umliegendem Gewebe. Sie wird insbesondere bei bestimmten gynäkologischen Tumorerkrankungen und Tumoren des Beckens eingesetzt. Gegebenenfalls unter Einsatz einer kurzen Nakrose durch die Kolleginnen und Kollegen der Anästhesie.
Bestrahlung bei Schmerzen
Bei bestimmten Knochenschmerzen oder Metastasen kann eine gezielte Bestrahlung schnell zur Linderung beitragen. Oft reicht bereits eine sehr kurze Behandlungsserie. Ziel ist nicht die vollständige Heilung, sondern eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Stationäre Strahlentherapie
Als Klinik für Strahlentherapie verfügen wir über Betten im Malteser Fördeklinikum, sodass wir sie entweder geplant zur Therapie oder im Verlauf stationär aufnehmen könne, sollte dies erforderlich sein.
Behandlungsindikationen umfassen:
- Adjuvante Strahlentherapie des Mammakarzinoms
- Adjuvante und primäre Strahlentherapie sonstiger gynäkologischer Tumoren einschließlich HDR-Afterloading
- Präoperative, adjuvante und primäre Strahlentherapie des Bronchialkarzinoms
- Präoperative, adjuvante und primäre Strahlentherapie des Rektumkarzinoms
- Präoperative, adjuvante und primäre Strahlentherapie des Oesophaguskarzinoms
- Adjuvante und primäre Strahlentherapie der Tumoren im HNO-Bereich
- Strahlentherapie im Rahmen der Behandlung bösartiger Lymphomerkrankungen (M. Hodgkin, NHL)
- Strahlentherapie bösartiger Hauttumoren, insbesondere Basaliombestrahlung
- Adjuvante und primäre Strahlentherapie bösartiger Hirntumoren
- Adjuvante und primäre Strahlentherapie der Tumoren des Urogenitaltraktes, speziell des Prostatakarzinoms
- Strahlentherapie im Rahmen multimodaler Therapiekonzepte
- Palliative Strahlentherapie von Organmetastasen (Hirn, Knochen, Lunge, etc.)
- Strahlentherapie der endokrinen Orbitopathie im Rahmen gutartiger Schilddrüsenerkrankungen
- Strahlentherapie zur Prophylaxe periartikulärer Verkalkungen vor und nach Gelenkoperationen
- Strahlentherapie gutartiger schmerzhafter Erkrankungen des muskuloskeletalen Systems (z.B. Tennisellenbogen, Fersensporn, Schulter-Arm-Syndrom )
- Spezialmethoden: stereotaktisch eingestellte Präzisionsbestrahlungen von Hirn-, Lungen- oder Lebertumoren mittels "Radiochirurgie"
- Spezialmethoden: Bildgeführte (IGRT) 3D –konformale Bestrahlungen am Synergy-Beschleuniger
- Die Kombination von Strahlentherapie und Chemotherapie dient der lokalen Wirkungsverstärkung der Strahlentherapie. Diese in bestimmten Situationen notwendige sensibilisierende simultane Radio-Chemotherapie wird in unserer Einrichtung ambulant oder falls notwendig auf unserer radio-onkologischen Station durchgeführt
Unsere Grundprinzipien
Jede Therapie wird individuell geplant.
Moderne Technik sorgt für höchste Präzision.
Wir begleiten Sie während der gesamten Behandlung persönlich und kontinuierlich.
Wie lang ist die Behandlungszeit?
Während der einzelnen Bestrahlung liegt die Zeit, die Sie in unserer Klinik verbringen zwischen 10 und 20 Minuten. Lange Wartezeiten sind nicht die Regel. Die Gesamtdauer richtet sich indiviuell nach Ihrer Krebserkrankung und Behandlungszielen.
Im Folgenden einige Beispiele:
- Brustkrebs nach Operation: 3 Wochen (15 Sitzungen)
- Prostatakrebs: 4 bis 8 Wochen je nach Behandlungsansatz
- Lungenkrebs oder Kopf-Hals-Tumore mit Chemotherapie: 7-8 Wochen
- Enddarmkrebs mit Chemotherapie: 6 bis 8 Wochen
- Knochenmetastasen: 1 Sitzung bis 2 Wochen
- Hirnmetastasen: 1 Sitzung bis 2 Wochen
Das genaue Therapiekonzept und die Behandlungsdauer wird mit Ihnen im Aufklärungsgespräch besprochen.